{"id":3189,"date":"2021-05-18T17:07:35","date_gmt":"2021-05-18T17:07:35","guid":{"rendered":"https:\/\/kurtjakob.ch\/?p=3189"},"modified":"2021-06-23T12:15:57","modified_gmt":"2021-06-23T12:15:57","slug":"zitat-und-kontext","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kurtjakob.ch\/?p=3189","title":{"rendered":"Zitat und Kontext"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.zitate-online.de\/literaturzitate\/allgemein\/19698\/wenn-euer-gewissen-rein-ist-so-seid-ihr-frei.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zitate-online.de<\/a> ver\u00f6ffentlicht heute ein Zitat von Goethe &#8211; \u00fcbrigens ein Zitat, das immer wieder auftaucht. Eine google-Suche zeigt Dutzende von Treffern.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn euer Gewissen rein ist, so seid ihr frei.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Problematik von Zitaten, die aus dem Zusammenhang gerissen worden sind, offenbart sich hier sehr stark. Die Frage n\u00e4mlich, aus welchem Kontext ein Zitat stammt, ist entscheidend. Nat\u00fcrlich hat Goethe diese Worte geschrieben, aber er hat sie einer Figur in einem Theaterst\u00fcck in den Mund gelegt, das ist entscheidend. Diese Worte spricht G\u00f6tz von Berlichingen zum gefangenen Weislingen im 1. Akt des Theaterst\u00fccks <em>Der G\u00f6tz von Berlichingen<\/em>. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%C3%B6tz_von_Berlichingen_(Goethe)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier<\/a> kann man auf Wikipedia die Geschichte nachlesen. Weislingen ist von Berlichingen gefangen genommen und nun f\u00fchren die beiden einen Dialog.<\/p>\n<p>Dies sind die Worte von Berlichingen, die auf dieses Zitat folgen:<\/p>\n<blockquote><p>Weislingen, soll ich von der Leber weg reden? Ich bin euch ein Dorn in den Augen, so klein ich bin, und der Sickingen und Selbitz nicht weniger, weil wir fest entschlossen sind, zu sterben eh, als jemanden die Luft zu verdanken, au\u00dfer Gott, und unsere Treu und Dienst zu leisten, als dem Kaiser. Da ziehen sie nun um mich herum, verschw\u00e4rzen mich bei Ihro Majest\u00e4t und ihren Freunden und meinen Nachbarn, und spionieren nach Vorteil \u00fcber mich. Aus dem Weg wollen sie mich haben, wie&#8217;s w\u00e4re. Darum nahmt ihr meinen Buben gefangen, weil ihr wu\u00dftet, ich hatt ihn auf Kundschaft ausgeschickt; und darum tat er nicht was er sollte, weil er mich nicht an euch verriet. Und du, Weislingen, bist ihr Werkzeug!<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Goethe,+Johann+Wolfgang\/Dramen\/G%C3%B6tz+von+Berlichingen+mit+der+eisernen+Hand\/1.+Akt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle: zeno.org<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Weislingen l\u00e4sst sich schliesslich von Berlichingen \u00fcberzeugen und wechselt die Seiten aus \u00dcberzeugung. Und damit wird er frei, im Sinne, dass er seine Freiheit zur\u00fcckerh\u00e4lt. Berlichingen verspricht also Weislingen die Freiheit, er l\u00e4sst ihn gehen, wenn sein Gewissen rein ist, wenn er wirklich davon \u00fcberzeugt ist, dass der Knabe von Berlichingen zu Recht festgehalten wird, dass dieser nicht als Mittel zu einem ganz andern Zweck missbraucht wird.<\/p>\n<p>Wenn nun in den Kommentaren auf zitate-online.de Folgendes zu lesen ist:<\/p>\n<blockquote><p>Ingrid Z: Frei f\u00fcr\/zu was?<\/p>\n<p>Senftopf: Wahrscheinlich &#8222;frei&#8220; von Selbstvorw\u00fcrfen oder Selbstzweifeln(wie das ber\u00fchmte Ruhekissen&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier muss man ganz einfach empfehlen, das Theaterst\u00fcck zu lesen. Dann weiss man, was der Berlichingen in diesem Zusammenhang gemeint hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zitate-online.de ver\u00f6ffentlicht heute ein Zitat von Goethe &#8211; \u00fcbrigens ein Zitat, das immer wieder auftaucht. Eine google-Suche zeigt Dutzende von Treffern. Wenn euer Gewissen rein ist, so seid ihr frei. 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