{"id":27,"date":"2006-11-10T22:01:00","date_gmt":"2006-11-10T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.kurtjakob.ch\/?p=27"},"modified":"2021-05-01T14:37:38","modified_gmt":"2021-05-01T14:37:38","slug":"sind-geisteswissenschaften-wissenschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kurtjakob.ch\/?p=27","title":{"rendered":"Sind Geisteswissenschaften Wissenschaften?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: medium;\">Im Blog <a href=\"http:\/\/ideologiekritik.blogsport.de\/2006\/01\/27\/die-verordnete-meinungsvielfalt-in-den-geistes-und-gesellschaftswissenschaften-eine-geisteshaltung-falscher-wissenschaften\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ideologiekritik.blogsport.de<\/a> habe ich einen interessanten Artikel gefunden. Ich m\u00f6chte auf einige Punkte daraus eingehen.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em><span style=\"font-size: small;\">Der einzelne Wissenschaftler braucht sich seine Lehrmeinung nicht wegnehmen zu lassen, weder von Kollegen, noch von einem besseren Argument. Es ist sein Recht, sie zu haben, aber er hat umgekehrt die Pflicht, neben seiner Lehrmeinung die des anderen gelten zu lassen.<\/span><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Dies ist nicht etwa eine Forderung, die der Schreiber stellt, sondern diese Haltung, die in der heutigen Geisteswissenschaft gelten soll, wird scharf kritisiert.<\/p>\n<p>Man muss sich in diesem Zusammenhang die Frage stellen, wie objektiv denn die Resultate geisteswissenschaftlicher Forschung \u00fcberhaupt sind &#8211; neben der Frage nat\u00fcrlich, was denn \u00fcberhaupt &#8222;Geisteswissenschaften&#8220; sind. Ich kann nicht f\u00fcr alle Geisteswissenschaften reden, ich habe mich intensiv mit der Germanisitik besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Vor l\u00e4ngerer Zeit schon habe ich die Behauptung aufgestellt, dass die Germanisten, wenn sie Texte interpretieren, eigentlich nur pers\u00f6nliche Werturteile abgeben. In den 80er Jahren kam frischer Wind in die Germanistik, alles schien sich zu \u00e4ndern. Man sprach \u00fcber wissenschaftliche Standards, man kritisierte alte Autorit\u00e4ten, die mit einf\u00fchlenden Methoden zu sicheren Ergebnissen kommen wollten. Mittlerweile sind wir in der Germanistik wieder bei den Hermeneutik gelandet, oder eben zur\u00fcck im Pluralismus. Literaturkritiker streiten sich im Fernsehen an der \u00d6ffentlichkeit und zelebrieren diese neue Hermeneutik.<\/p>\n<p>Meine Beobachtungen st\u00fctzen die These aus der <em>Ideologiekritik<\/em>. Professoren wollen sich ihre Stellen nicht streitig machen wollen, Literaturkritiker wollen Fernsehstars werden. Wir haben uns in der Germanistik wieder einen Schritt weiter von den wissenschaftlichen Standards entferntm die in Naturwissenschaften seit langer Zeit selbstverst\u00e4ndlich geworden sind.<\/p>\n<p>Im Blog der <em>Ideologiekritik<\/em> werden zwei Folgen aus dieser Situation dargestellt:<\/p>\n<p>Die Geisteswissenschaftler besch\u00e4ftigen sich nicht mehr objektiv mit einer Sache, man streitet sich nicht mehr \u00fcber ein Objekt, weil wir ja ohnehin nichts Genaues mehr wissen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es &#8222;wird die Autorit\u00e4t des Wissens durch die Autorit\u00e4t der Lehrbefugnis ersetzt. Der Dozent hat als letztes Argument f\u00fcr seine Auffassung, dass er der Dozent ist und den Schein zu vergeben hat.&#8220;Dem kann ich nur beif\u00fcgen, dass auch dies mit meinen Beobachtungen \u00fcbereinstimmt. Man kann sich kritisch zur M\u00f6glichkeit &#8222;geisteswissenschaftlicher Objektivit\u00e4t&#8220; stellen, letztendlich aber ist das Streiten \u00fcber vermeintliche Tatsachen das allerwichtigste. Autorit\u00e4t sollte nur das bessere Argument haben. Ich werde mich in einem weiteren Blog mit dem Thema des besseren Argumentes besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Blog ideologiekritik.blogsport.de habe ich einen interessanten Artikel gefunden. Ich m\u00f6chte auf einige Punkte daraus eingehen. Der einzelne Wissenschaftler braucht sich seine Lehrmeinung nicht wegnehmen zu lassen, weder von Kollegen, noch von einem besseren Argument. 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