{"id":1179,"date":"2013-03-01T19:28:59","date_gmt":"2013-03-01T18:28:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kurtjakob.ch\/?p=1179"},"modified":"2013-03-01T19:28:59","modified_gmt":"2013-03-01T18:28:59","slug":"mythos-vom-freien-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kurtjakob.ch\/?p=1179","title":{"rendered":"Mythos vom freien Internet"},"content":{"rendered":"<div class=\"PublishedByWebStory-[6]1_AB285E1274BB4A57A0FCC9E9CD9790B4_65E4739BB0C8413FB42D72CA47742401\">\n<p>Jeden Tag kann man\u00a0bei <a href=\"http:\/\/radar.oreilly.com\/\" target=\"_blank\">O&#8217;Reilly radar<\/a> vier kurze Links erhalten, so auch <a href=\"http:\/\/radar.oreilly.com\/2013\/02\/four-short-links-28-february-2013.html?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+oreilly%2Fradar%2Fatom+%28O%27Reilly+Radar%29\" target=\"_blank\">gestern<\/a>. Meistens findet man sehr viel Anregendes \u00fcber aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit den neuen digitalen Technologien. Gestern fand man einen Link auf einen sehr interessanten Artikel von <a href=\"http:\/\/www.theatlantic.com\/peter-osnos\/#bio\" target=\"_blank\">Peter Osnos<\/a> mit dem Titel [hi]&#8220;The Enduring Myth of the &#8218;Free&#8216; Internet&#8220;[\/hi]. Er spricht vom &#8222;Mantra&#8220; des freien Internets.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite jene, die absch\u00e4tzig von einer neuen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gratiskultur\" target=\"_blank\">Gratiskultur<\/a> des Internets sprechen. So versuchen uns die Medien immer wieder klarzumachen, dass diese Gratis-Mentalit\u00e4t auf die Dauer nicht funktionieren k\u00f6nne. So\u00a0lesen wir etwa\u00a0im tagespiegel.de &#8222;<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/medien\/digitale-welt\/bezahl-inhalte-medienkonzerne-erklaeren-gratiskultur-zum-jahrhundertirrtum\/1977844.html\" target=\"_blank\">Medienkonzerne erkl\u00e4ren Gratiskultur zum Jahrhundertirrtum<\/a>&#8222;. In diesem Artikel wird darauf hingewiesen, dass immer mehr Medienunternehmen weltweit Bezahlangebote einf\u00fchren w\u00fcrden:<\/p>\n<blockquote><p>Die Umsonstkultur des Internets wies nicht den Weg in eine \u00c4ra von Prosperit\u00e4t, sondern l\u00f6ste die schwerste Medienkrise seit Erfindung der Drucktechnik aus. Die Verlage investierten weltweit Milliarden in die neue Technik, ohne je angemessene Ertr\u00e4ge einzufahren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf dieser Seite ist man also \u00fcberzeugt, dass sich nun das Blatt wendet[foot]Etwa Zeit online: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2012\/48\/01-Medien-Zeitung-Selbstdemontage\" target=\"_blank\">Das Blatt wendet sich<\/a>.[\/foot]. Etwas anders liegt die Problematik der Musik- und Filmindustrie. Hier sieht man riesige Verluste, weil viele Nutzer sich im Internet gratis bedienen. So liest man in einem Artikel von Zeit online mit dem Titel &#8222;<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2011-01\/digital-music-report\" target=\"_blank\">Noch immer sind 95 Prozent aller Downloads illegal<\/a>&#8222;:<\/p>\n<blockquote><p>Im Digital Music Report zieht die Branche Bilanz: Es werde mehr Musik im Netz verkauft. Doch der Schaden durch Piraterie koste bis 2015 rund eine Million Kreativ-Jobs.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zur Eind\u00e4mmung dieser Downloads werden in Deutschland <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/webwelt\/article6607065\/Kistenweise-Abmahnungen-fuer-illegale-Downloads.html\" target=\"_blank\">kistenweise Abmahnungen<\/a> ausgesprochen, dies mit Bezug auf Urheberrechtsverletzungen.<\/p>\n<p>Auf der andern Seite sieht man gerade dieses freie Internet in Gefahr. Einerseits wird die Vorstellung des traditionellen Urheberrechtes in Frage gestellt. Dies macht etwa die Piratenparteien, indem sie sich f\u00fcr eine <a href=\"http:\/\/www.piratenpartei.ch\/Modernisierung_des_Urheberrechts\" target=\"_blank\">Modernisierung des Urheberrechtes<\/a>, aber auch f\u00fcr einen <a href=\"http:\/\/www.piratenpartei.ch\/parteiprogramm\" target=\"_blank\">freien Zugang<\/a> einsetzen.[foot]Weitere Seiten etwa: heise.de: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/netze\/meldung\/Internet-Society-Freies-Internet-in-Gefahr-1196645.html\" target=\"_blank\">Internet Society: Freies Internet in Gefahr<\/a>, auf spiegel.de: Anarchie im Netz. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/spiegelspecial\/d-52058065.html\" target=\"_blank\">Die Gratis-Kultur<\/a>, auf spiegelonline: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/sascha-lobo-der-begriff-gratismentalitaet-ist-unsinn-a-873520.html\" target=\"_blank\">S.P.O.N. &#8211; Die Mensch-Maschine: Warum der Begriff &#8222;Gratismentalit\u00e4t&#8220; Unsinn ist.<\/a>[\/foot]<\/p>\n<p>Was aber ist das [hi]freie Internet[\/hi]? Ein Mythos, sagt Pester Osnos. Es gibt kein freies Internet.  <a href=\"http:\/\/www.moneytake.net\/coinstar_branches_689_izabal.html\">Coinstar money transfer<\/a> Er  rechnet in seinem Artikel vor, was seine Frau und er j\u00e4hrlich f\u00fcr den Internetzugang alles ausgeben. Von einem freien Internet kann also nicht die Rede sein. Der Autor z\u00e4hlt auf, welche Kosten in seiner Familie anfallen:<\/p>\n<ul>\n<li>Geb\u00fchren f\u00fcr das Mobiltelefon (Abonnementskosten, ev. Zusatzkosten bei Mehrgebrauch)<\/li>\n<li>Kabelanschluss f\u00fcr den Internetzugang zu Hause<\/li>\n<li>gelegentliche Kosten f\u00fcr Filme und andere Inhalte<\/li>\n<li>zus\u00e4tzliche Steuern<\/li>\n<\/ul>\n<p>Er kommt auf 225$ monatliche Kosten. Wenn man die zus\u00e4tzlichen Kosten f\u00fcr die Hardware mitrechnet, dann sieht die Rechnung nochmals anders aus. Zu den obigen Betr\u00e4gen kommen:<\/p>\n<ul>\n<li>Anschaffung eines Mobiltelefons<\/li>\n<li>Anschaffung eines Computers, Laptops, iPad etc.<\/li>\n<li>Anschaffung von zus\u00e4tzlichen Speichermedien<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Angaben stammen aus dem genannten Artikel. Wenn ich meine Kosten betrachte, dann sehe ich weitere Ausgaben:<\/p>\n<ul>\n<li>Geb\u00fchren f\u00fcr den Usenet-Zugang (ist nicht unbedingt n\u00f6tig, aber bequem)<\/li>\n<li>Abonnement bei <a href=\"http:\/\/www.pressdisplay.com\/\" target=\"_blank\">Pressdisplay<\/a> f\u00fcr eine grosse Auswahl an Zeitungen<\/li>\n<li>Zeitungsabonnemente (umfassen auch den Zugang zu digitalen Inhalten)<\/li>\n<li>Kostenpflichtige Software, die f\u00fcr mehr oder weniger sicheres Surfen im Internet sorgt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das sind zus\u00e4tzliche Kosten, die mir spontan einfallen. Rechnet man alles zusammen, dann wird der Betrag eher h\u00f6her sein, als jener, den Osnos nennt. Frei ist dieser Internetzugang also ganz klar nicht. Er kostet viel, eigentlich sehr viel. So erstaunt es nicht, dass viele Menschen\u00a0in vielen L\u00e4ndern &#8211; nicht nur in &#8222;armen&#8220; &#8211; sich keinen Highspeed-Zugang zum Internet leisten k\u00f6nnen. Osnos schreibt, dass sich 100 Mio Amerikaner keinen solchen Zugang leisten k\u00f6nnen, entweder aus finanziellen Gr\u00fcnden oder aus Gr\u00fcnden der mangelnden Infrastruktur. Von einer Gratiskultur zu sprechen ist also v\u00f6llig schief, gratis gibt es da\u00a0nichts. Aber das Geld fliesst halt nicht zu jenen, die die Inhalte machen:<\/p>\n<blockquote><p>Consumers pay huge amounts of money to connect their computers and phones to the pipelines carrying the flow of content, but very little of that money makes its way into the pockets of the people who create that content. Instead, the money goes to the Internet service providers and others who control the pipeline. This, in my opinion, should change[foot]Dies schreibt <a href=\"http:\/\/www.wgaeast.org\/index.php?id=274\" target=\"_blank\">Lowell Peterson<\/a> in der Huffington Post, zitiert wird er im <a href=\"http:\/\/www.theatlantic.com\/technology\/archive\/2013\/02\/the-enduring-myth-of-the-free-internet\/273515\/\" target=\"_blank\">Artikel von Osnos<\/a>, das Original findet man <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.com\/lowell-peterson\/the-internet-is-not-free_b_2631150.html\" target=\"_blank\">hier<\/a>.[\/foot].<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Situation ist wirklich paradox: Ich bezahle z.B. daf\u00fcr,\u00a0dass ich diese Blogbeitr\u00e4ge ins Internet stellen kann.<\/p>\n<p>[footnotes]<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeden Tag kann man\u00a0bei O&#8217;Reilly radar vier kurze Links erhalten, so auch gestern. Meistens findet man sehr viel Anregendes \u00fcber aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit den neuen digitalen Technologien. 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