{"id":1014,"date":"2012-09-12T13:59:26","date_gmt":"2012-09-12T11:59:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kurtjakob.ch\/?p=1014"},"modified":"2012-09-12T13:59:26","modified_gmt":"2012-09-12T11:59:26","slug":"deutsch-zentralmatur-in-sterreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kurtjakob.ch\/?p=1014","title":{"rendered":"Deutsch-Zentralmatur in &#214;sterreich"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/blog.kurtjakob.ch\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/i3cr3umz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-left: 0px; padding-right: 0px; display: inline; padding-top: 0px; border-width: 0px;\" title=\"i3cr3umz\" src=\"http:\/\/blog.kurtjakob.ch\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/i3cr3umz_thumb.jpg\" alt=\"i3cr3umz\" width=\"562\" height=\"353\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"left\">Wie ich einem <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/meinung\/marginalien\/1288228\/Der-alte-Besinnungsaufsatz-hat-endgueltig-ausgedient\" target=\"_blank\">Artikel aus der \u00f6sterreichischen Zeitung <strong>Die Presse<\/strong> vom 10.9.12<\/a> entnehmen konnte, wird die Deutsch-Matur in \u00d6sterreich neu gestaltet. Ich gehe auf einige Stellen aus diesem Artikel ein.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<div align=\"left\">Ausgangspunkt des Beitrags ist die Feststellung, dass die Latte f\u00fcr die Deutschpr\u00fcfung hoch gesteckt werden m\u00fcsse, da eine Reifepr\u00fcfung den Antritt eines Universit\u00e4tsstudiums bedeute. Daraus wird nun die Schlussfolgerung gezogen, <em>dass es f\u00fcr alle vergleichbare Standards brauche<\/em>.<br \/>\nDies Folgerung ist doch eigenartig, was haben vergleichbare Standards damit zu tun, dass eine bestandene Reifepr\u00fcfung ein Billett f\u00fcr einen Studienantritt bedeutet? Hier fehlt mir der Gedanke der Chancengleichheit f\u00fcr alle. Nicht der automatische Universitit\u00e4tseintritt ist ein Argument f\u00fcr die Anwendung gleicher Standards, sondern die gleiche Behandlung aller Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler.<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div align=\"left\">Da es vergleichbare Standards brauche, habe man sich entschlossen, <em>allen Pr\u00fcflingen die gleichen Aufgaben zu stellen<\/em>.<br \/>\nAuch dieser Gedanke ist nicht zwingend. Vergleichbare Standards hei\u00dft keineswegs, dass alle die gleiche Pr\u00fcfung machen m\u00fcssen.<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div align=\"left\">Inhalt dieser gemeinsamen Pr\u00fcfung sind offenbar drei Aufgabenpakete. In einem Paket befindet sich zwingend eine literarische Aufgabe.<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div align=\"left\">In jedem Paket befindet sich eine \u00e4hnliche Aufgabenstellung: Statt ein l\u00e4ngerer Aufsatz werden zwei Texte verlangt, offenbar in jedem Paket. Zudem geht jede Aufgabe von einem Text aus: <strong>\u201cDie Kandidat(inn)en m\u00fcssen sich auf die Ausgangstexte beziehen. Diese k\u00f6nnen literarisch sein oder Sachtexte, zum Beispiel aus der \u201ePresse\u201c, bisweilen auch Tabellen oder Schaubilder. Und die Pr\u00fcflinge m\u00fcssen gezielt argumentieren, Vorg\u00e4nge beschreiben oder Sachverhalte darstellen. Der alte Besinnungsaufsatz hat ausgedient.\u201d<br \/>\n<\/strong>Man kann dar\u00fcber geteilter Meinung sein, ob jeder \u201cAufsatz\u201d sich auf einen Ausgangstext beziehen soll. In den letzten Jahren haben sich die Aufgabenstellungen aber tats\u00e4chlich in diese Richtung bewegt, \u00fcbrigens nicht unbedingt zur Freude der Sch\u00fcler. Entscheidend ist hier allerdings, wie schwierig diese Texte sind, auch der Umfang spielt eine wesentliche Rolle. Die Sch\u00fcler m\u00fcssen sich dann durch drei \u201cDossiers\u201d durcharbeiten, das braucht Zeit. Auch die Bearbeitung dieser Texte braucht Zeit, schlie\u00dflich braucht es noch eine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema.<br \/>\nSehr h\u00e4ufig werden heute kurze Texte oder Zitate als Grundlage f\u00fcr eine Aufgabenstellung verwendet, so etwa <a href=\"http:\/\/www.ksreussbuehl.lu.ch\/aufsatzthemen_seit_2001_mse_2.pdf\" target=\"_blank\">hier<\/a> an der Kantonsschule Reussb\u00fchl.<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div align=\"left\">Auch die Beurteilung soll einheitlich geregelt werden. Jede Arbeit wird von einer Lehrperson korrigiert nach einem \u201cgenauen und verbindlichen Kriterienkatalog\u201d. Dieser bestehe aus vier Punkten und entspreche genau der \u201cgesetzlichen Leistungsbeurteilung\u201d: Inhalt, Aufbau, Sprache, formale Richtigkeit (Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik).<br \/>\nWenn der Kriterienkatalog wirklich zu einer einheitlichen Pr\u00fcfung f\u00fchren soll, dann muss gerade dieser Katalog sehr umfangreich sein. Die Kriterien m\u00fcssen zu jedem Thema, zu jedem Text entwickelt und dann auch verst\u00e4ndlich dargestellt werden. Dann stelle man sich vor, die Sch\u00fcler kommen auch in den Besitz dieser Kriterien. Vorstellbar, dass nun Rekurse gegen die Kriterien oder die Anwendung derselben durch eine Lehrperson Rekurs eingelegt wird.<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div align=\"left\">Diese Kriterien sollen \u201cden Primat des Inhalts\u201d sicherstellen: <strong>\u201cDas hei\u00dft: Eine inhaltlich gute oder sehr gute Arbeit kann kaum zu einem \u201eNicht gen\u00fcgend\u201c f\u00fchren, auch bei formalen M\u00e4ngeln. Und umgekehrt: Eine formal fehlerfreie Arbeit f\u00fchrt nicht automatisch zu einem \u201eSehr gut\u201c.\u201d<\/strong><br \/>\nDies gilt nat\u00fcrlich nur, wenn man den Aufbau und auch den sprachlichen Stil zum Inhalt rechnet, sonst kann diese Bemerkung ja kaum zutreffen.<br \/>\nHier wird \u00fcbrigens noch ein Seitenhieb \u2013 nicht der erste \u2013 gegen gewisse Lehrpersonen ausgeteilt: \u201cDas mag f\u00fcr manche eine Umstellung bedeuten. Denn es ist eben viel einfacher, Beistrich- oder Rechtschreibfehler zu z\u00e4hlen als die Qualit\u00e4t einer Arbeit zu beurteilen.\u201d Mit diese Problematik wird jeder, der sich zum Deutschlehrer ausbilden l\u00e4sst, schon bei der ersten Aufsatzkorrektur konfrontiert. Die entscheidende Frage ist aber, wie man die Qualit\u00e4t einer Arbeit tats\u00e4chlich beurteilt, und zwar <strong>rekurssicher<\/strong>. Wir Deutschlehrer sind uns in den allermeisten F\u00e4llen einig, auch mit unseren Experten, die im Moment zumindest noch an gewissen Schulen in der Schweiz eine Gegenkorrektur machen. Das Problem ist aber auch hier der Ma\u00dfstab. Zudem stellt man h\u00e4ufig fest, dass gerade Sch\u00fcler, die eher schwach sind im Aufsatzschreiben, keine wirkliche Einsicht in diesen Qualit\u00e4tsma\u00dfstab haben.<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div align=\"left\">Dann der optimistische Schlusssatz: <strong>\u201cDie neue Deutschmatura wird eine zukunftsorientierte Kompetenz\u00fcberpr\u00fcfung sein.\u201d<br \/>\n<\/strong>Warten wir die Pilotversuche ab, ich bin mir da aber nicht sicher, was wir genau durch solche Vereinheitlichungen gewinnen.<\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"left\">Seit einiger Zeit arbeiten wir im Bildungsraum Nordwestschweiz an einem Projekt \u201c<a href=\"http:\/\/www.so.ch\/departemente\/bildung-und-kultur\/berufsbildung-mittel-und-hochschulen\/mittelschulen\/harmonisierte-maturitaetspruefungen.html\" target=\"_blank\">Harmonisierte Maturit\u00e4tspr\u00fcfung (HarmMat)<\/a>\u201d. Die Sto\u00dfrichtung geht in eine Art Einheitsmatur pro Schulhaus. Wenn man allerdings diese Entwicklung in \u00d6sterreich betrachtet, dann ist eine Einheitsmatur Nordwestschweiz durchaus m\u00f6glich. In der Schweiz haben in der Bidlungspolitik die Kantone allerdings das letzte Wort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ich einem Artikel aus der \u00f6sterreichischen Zeitung Die Presse vom 10.9.12 entnehmen konnte, wird die Deutsch-Matur in \u00d6sterreich neu gestaltet. Ich gehe auf einige Stellen aus diesem Artikel ein. Ausgangspunkt des Beitrags ist die Feststellung, dass die Latte f\u00fcr die Deutschpr\u00fcfung hoch gesteckt werden m\u00fcsse, da eine Reifepr\u00fcfung den Antritt eines Universit\u00e4tsstudiums bedeute. 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